Anrede zum Weltspartag
Du, Held des Sparens,
der Du mehr hast als Du brauchst,
elender Dieb Du!
Du, Held des Sparens,
horte Dein Geld, verstecke es,
wir holen nur Dich!
Du, Held des Sparens,
Dein Geld, das Du so liebtest,
hat Dich verraten!
Du, Held des Sparens,
Schlund, der Du Alles nimmst, wir
geben Dir den Rest!
Du, Held des Sparens,
so gar und ganz allein, wir
sparen uns den Sarg!
Du, Held des Sparens,
Niemand kennt Deinen Namen,
traumlose Nacht Du!
Du, Held des Sparens,
ungezogenen Kindern
drohen wir mit Dir...
Große Gedanken
eines kleinen Barbiers
(Vorsicht)
So still ist´s in mir...
Der maßlose Hals reckt sich.
Messer, Du schweig´ nicht!
(Aufsicht)
Licht sinkt... - Licht sinke!
Schattenmenschen - Oberschicht
Blut steige! - Blut steigt...
(Absicht)
Kinder, kommt und seht,
wie Geld so herrlich bunt an
Bäumen baumeln kann...
(Nachsicht)
Nehmt Nichts von Reichen!
Sauft nicht Euer eigen Blut!
Geld bedeutet Krieg!
Pneumatische Anklänge zum Kreuzjahr der Drei Ismismen
Dekonformismus:
Abstehen und Hinsehen!
Fortschritt und Ergriff...
Kondeformismus:
Hingehen und Absehen!
Gleichschritt und Verlaß...
Transrealismus:
Verstand vesteht, was er will.
Verstand bewegt sich.
Renihilismus:
Wille will, das ihn bewegt.
Wille versteht sich.
Postlegalismus:
Sinnhaftem Sinn verweigern...
Moral bricht Gesetz!
Peregalismus:
Sinnvollem Sinn entsteigern...
Moral bricht Geschwätz!
Einleitung zur Allgemeinen Wehrkunde / Trinksprüche
Mündige Bürger,
so kauft, doch kauft das Produkt,
nicht die Verpackung!
Mündige Bürger,
so wählt, doch wählt Euer Ziel,
nicht des Andern Weg!
Mündige Bürger,
so dient, doch dient Euch aufrecht,
nicht unter Anderem!
Mündige Bürger,
so herrscht, doch herrscht in Einheit,
nicht aus Überzahl!
Kirchweih
Chorklang:
In dieser Kirche,
hier und jetzt, Du gehst hinein,
ist kein Sein. Nur Zeit.
Volkes Ruf:
In dieser Kirche
betet und bietet Ihr nicht.
Hier schämen wir uns!
In dieser Kirche
bettelt und blendet Ihr nicht.
Hier schmähen wir uns!
In dieser Kirche
fastet und schweiget Ihr nicht.
Hier recken wir uns!
In dieser Kirche
brandschatzt und mordet ihr nicht.
Hier ehren wir uns!
In dieser Kirche
hortet und waltet ihr nicht.
Hier lassen wir uns!
Chorklang:
In dieser Kirche,
Du gehst hinaus, jetzt und hier,
ist kein Platz. Nur Raum.
Kinderreigen zur Begehung der Archaischen Feste
Anna-Linda:
Siehst Du im Dunklen?
Nichts ist nicht Nichts, All nicht All.
Du siehst aus Dunklem.
Hörst Du im Stillen?
Ton ist nicht Ton, Schrei nicht Schrei.
Du hörst aus Stillem.
Stirbst Du aus Leben?
Sein ist nicht Sein, Tod nicht Tod.
Du stirbst im Leben.
Maria-Ceciletta:
Fällst Du zu halten?
Tritt ist nicht Schritt, Hand nicht Fuß.
Du hältst zu fallen.
Wünschst Du zu bleiben?
Fall ist nicht Fall, Kopf nicht Kopf.
Du bleibst zu wünschen.
Eva-Susanna:
Sein ist Nichts als Sein.
Schlag sei nicht Schlag, Herz nicht Herz.
Nichts ist Nichts wie Nichts.
53 Ansichten des Fuji (Tankas & Haikus - Auszüge)
1991 - 2006
Fuji
Der Berg, so klein dort
in der Ferne. Und dennoch
Alles unter sich.
Schnee
Flocken fallen leis´.
Kein Schlag, kein Hauch. Weiß auf Schwarz.
Auch Engel sterben.
Nacht
Mein Blick zum Altar,
so still ist`s da, so schweigend.
Gottes Wohnstatt? - Nein!
Winteranfang
Abends erster Schnee
macht mich denken: nicht der Schmerz
vergeht. Nur die Zeit...
Mitternacht
Wogt her vom Fenster
Sternenlachen ach so licht.
Nein, ich - ich bleibe...
Besuch
Knarzen am Türspalt.
Feinster Kristall sein Teppich.
Knarzen. Mond tritt ein...
Himmel
Ew`ger weiter Weg,
mit jedem Schritt am Ziele,
viele Pfade breit.
Immer mittig, immer nah.
Kreisgerade. Sternenklar.
Jahreswechsel
Auch dies Feuerwerk,
ewig Kinder`s Traum, hat ein
Ende: Finsternis...
Heimkehr
Dämmernd of`ne Glut,
trübes Lächeln, Vater schürt.
"Kinder, wärmet Euch!
Denn morgen schon wird Hölle,
unser Holz nur Asche sein...
An Sosei Hôshi
Soltte von Schönheit
ich nur sehend erzählen?
Blüten und Köpfe,
ich werde sie abschlagen,
trage sie heim den Liebsten...
Für Frau D.
Sie las mein Gedicht
- so ernsthaft war`s - und lachte.
Das reicht mir völlig...
27. November
Wind schlägt an`s Fenster.
Es knarzt und fällt und klagt.
Die Kerze flammt still...
Gelbe Nacht
Himmel voller Schnee.
Und nirgends eine Flocke.
Doch. Dort. Ich falle...
Stille Flut
Der mächtige Stein,
seit je er Wasser malmte,
nun leise versinkt.
Sein Kräuseln verschwimmt,
himmelblau und wolkenlos...
Der Kapitän
Er soll untergehen!
Holz schwimmt nicht immer oben
in Schnaps und Wasser.
Fuji
Heute Nacht kein Stern,
kein Mond, kein Faden leuchtet.
Der Berg führt den Mann!
Atavist & Zykel
(Tankas & Haikus)
1
Kunst sei für jene,
die da noch kommen müssen.
Als Entschuldigung...
2
{Kind}
Blauer Schmetterling
kreuzt und quert und sinkt in
ein Meer von Sonnenblumen.
- Eine muß die Schönste sein!
{Reptil}
Das Traumende naht.
Streicht schon über den Scheitel.
- Finsternis erwacht...
{Baum}
All meine Träume
sind verweht mit all meiner
Kraft. Der Tod, er lebt...
{Stein}
Ein Wurm kriecht zu mir.
Er öffnet das Maul und schweigt.
Leben, es tötet...
3
{Erwachen}
Bin wieder nicht der,
welcher ich ganz sicher bin.
Sein und doch nur Sein...
4
{Jagdglück}
Die Bärin erwacht.
Voller Wut und voller Gier
und voll von Liebe.
Die Hindin erwacht.
Voller Anmut, voller Zier.
Voll von Himmelslicht.
Gesenkten Hauptes
kniet ein Mann vor Mutter´s Schoß.
- Gott soll Opfer sein!
5
{Unterm Gipfel}
Der Bergmann verharrt.
Steigt nun nicht mehr auf noch ab.
Bleibt für immer fort.
6
{Weib}
Hexe, sauf´ mein Blut,
friß mich mit Haut und Haaren!
Hexe, wo bist Du?
Immer bist Du fort,
obwohl ich doch bei Dir bin,
des Sterbens müde...
{Frau}
Die Nachteule jagt
dem Sonnenmann entgegen.
- Frißt sein blindes Herz...
{Mutter}
Da kniet Ihr wieder,
Ihr Engel, vor meinem Thron,
den Zwerg zu taufen
mit himmelhöchster Idee.
- Verzeiht mein Lächeln...
{Tochter}
Gott, Dein letzter Kampf
ist ein Kampf gegen Dich selbst.
- Töte Dich, nicht mich!
7
{Ursprung}
Blatt zittert im Wind.
Der weiße Wurm fällt schnell. Schnell!
Werde Schmetterling!
8
{Furche}
Dieses Samenkorn,
wird’s Blume, Baum oder gar
bald Vogelfutter?
9
{Morgenfrost}
Die Knospen tragen
silberne Raureifkleidchen,
glühen immer mehr...
10
{Fraus Strigae}
Der Nachtfahrende,
er kehrt zurück in Dein Licht.
Und verbrennt...
11
Der Bergmann, er will
nicht mehr zurück. Überm Gipfel
ist es am wärmsten.
